Dienstag, 07.12.2010 · Diagnostik, Rheumatoide Arthritis
Bildnachweis: Daily News. An official publication of the American College of Rheumatology. http://www.nxtbook.com/tristar/acr/day4_2010/index.php#/34/OnePage

Klassifikationskriterien sind ein standardisiertes Instrument, mit dem Wissenschaftler Erkrankungen untersuchen und definieren. Mit Hilfe dieser Kriterien werden Personen klassifiziert, an einer Erkrankung zu leiden oder nicht. Das erleichtert die Rekrutierung z. B. für klinische Studien.

Obwohl diese Kriterien nicht für die Diagnose im täglichen klinischen Alltag gedacht sind, lassen sie sich mit einigen zusätzlichen Untersuchungen für den Alltag modifizieren.

Patienten, auf die die neuen ACR/EULAR-Kriterien angewandt werden sollen, müssen mindestens ein geschwollenes Gelenk aufweisen (als Hinweis auf eine Synovitis). Andere Erklärungen für diese Symptomatik müssen ausgeschlossen sein.

In einer während des ACR 2010 Kongresses in Atlanta vorgestellten Studie wandten Wissenschaftler die neuen ACR/EULAR-Kriterien auf Personen an, die basierend auf familiären und genetischen Risikofaktoren ein potenziell höheres Risiko für eine rheumatoide Arthritis (RA) tragen.

In der noch laufenden Studie sind 1.790 Personen unterschiedlichen Untersuchungsmethoden unterzogen worden: Bewertung von Symptomen, Gelenkuntersuchungen und Suche nach Biomarkern. So soll der Zusammenhang zwischen diesen Faktoren, den neuen Kriterien und dem langfristigen Krankheitsverlauf geklärt werden.

Die Wissenschaftler haben 21 Personen mit einer gesicherten RA identifiziert, davon 17 Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von fast 49 Jahren. Sechs (28,6 %) der 21 Studienteilnehmer waren Rheumafaktor-positiv, einer testete positiv für Antikörper gegen cyclisch citrullierte Peptide (anti-CCP, ACPA). Elf Personen (52,4 %) hatten ein erhöhtes CRP. Die mediane Zahl der geschwollenen Gelenke lag bei drei, der schmerzhaften Gelenke bei 11.

„Diese Patienten weisen Symptome einer frühen RA auf“ sagte Jason R. Kolfenbach, MD—Studienleiter und Assistant Professor an der University of Colorado School of Medicine, Division of Rheumatology, Denver. „Interessant wird sein, diese Patienten weiter zu verfolgen, um zu sehen, ob sie persistierende Befunde entwickeln, die die meisten von uns als RA-typisch ansehen würden.“

„Dies ist die erste Studie ihrer Art und wie alle derartigen Studien muss sie weiter geführt und die Befunde reproduziert werden. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich begeistert von den Ergebnissen und denken, dass die neuen Kriterien ein exzellentes wissenschaftliches Instrument darstellen, um Personen zu identifizieren, die ein hohes Risiko tragen, eine klinisch verifizierbare RA zu entwickeln.“ fügte V. Michael Holers, MD hinzu. Holers ist Senior Autor der Studie und Professor für Medizin an der University of Colorado, Denver, School of Medicine, Division of Rheumatology.

„Es ist zu früh, Rückschlüsse für die Klinik oder Therapie zu ziehen. Sollten wir jedoch zukünftig bestätigen können, dass diese Art des Screenings oder entsprechende Biomarker eine prognostischen Wert für eine spätere, klinisch  diagnostizierbare RA besitzen, werden wir uns die Frage nach der klinischen und therapeutischen Relevanz erneut stellen.“ schloss Holers

Literatur und Links


ACR 2010 [658] - Application of the New ACR/EULAR Classification Criteria for Rheumatoid Arthritis to At-Risk Populations May Identify RA Prior to Clinical Presentation.
Jason R Kolfenbach, MD1,Lezlie Derber2,Kevin D Deane, MD3,Jan Hughes-Austin4,Michael H Weisman, MD5,Jane Buckner6,Ted R Mikuls, MD7,James R O'Dell, MD8,Peter K Gregersen, MD9,Richard M Keating,Jill Norris, MPH, PhD10,V Michael Holers, MD11.