Beim Rheumafaktor handelt es sich um einen Eiweißstoff im Blut, der zu der Gruppe der Auto-Antikörper gehört. Dies sind Eiweiße, die vom Immunsystem gebildet werden und sich fälschlicherweise gegen körpereigene Substanzen richten. Der Rheumafaktor im Speziellen richtet sich gegen das körpereigene Immunglobulin G (genau genommen gegen den sogenannten Fc-Teil des Immunglobulin G). Er kann dabei jeder Immunglobulin-Gruppe angehören. Man unterscheidet daher Rheumafaktoren der Klasse IgM, IgG, IgA oder IgE. Meist wird der Begriff im Plural benutzt. Man spricht also von Rheumafaktoren.

Eine erste Beschreibung der Rheumafaktoren erfolgte im Jahr 1937 durch Erik Waaler, der diesen Eiweißstoff im Blut von Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis nachweisen konnte. Rheumafaktoren sind aber bei einer Vielzahl rheumatischer und nicht-rheumatischer Erkrankungen nachweisbar. So sind neben der Rheumatoiden Arthritis vor allem das Sjögren-Syndrom und die Kryoglobulinämie, aber auch andere Kollagenosen mit dem Auftreten von Rheumafaktoren vergesellschaftet. Außerdem gibt es andere Erkrankungen außerhalb der Rheumatologie, bei denen der Rheumafaktor auch positiv sein kann. Dies sind u.a. chronisch verlaufende Infektionskrankheiten (z.B. TuberkuloseEndokarditis lenta, chronische Virus-Hepatitis), weiterhin andere Autoimmunerkrankungen. Der Rheumafaktor hat deshalb zwar heute noch eine gewisse Berechtigung für die Klassifikation rheumatischer Erkrankungen, für die Diagnosestellung ist er jedoch nicht geeignet. Der Experte spricht hier daher von einer sogenannten "niedrigen Spezifität".

Charakteristisch sind Rheumatfaktoren bei der rheumatoiden Arthritis, auch chronische Polyarthrits genannt. Aber selbst bei dieser Erkrankung sind Rheumafaktoren nicht bei jedem Patienten nachweisbar, sondern nur bei etwa der Hälfte der Patienten. Deshalb wird auch zwischen einer seronegativen und einer seropositiven rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis) unterschieden. Die seronegative rheumatoide Arthritis unterscheidet sich von der sehr ähnlichen seropositiven rheumatoiden Arthritis dadurch, daß bei ihr ein Rheumafaktor im Blut ("Serum") nicht nachweisbar ist, die Untersuchung also negativ ist ("sero-negativ").

Das Vorhandensein von Rheumafaktoren kann eine Erkrankung weder sichern noch kann ihr Fehlen diese ausschließen. Denn Rheumafaktoren lassen sich auch bei circa 5% der gesunden Bevölkerung nachweisen. Umgekehrt finden sich bei etwa der Hälfte aller Patienten mit Rheuamatoider Arthritis keine Rheumafaktoren. Das Ergebnis der Rheumafaktorbestimmung ist also kein Nachweis für eine rheumatische Erkrankung. Es kann allenfalls helfen, die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, mit der eine rheumatische Erkrankung vorliegt oder nicht.