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Weltrheumatag am 12.10.2007: Krankheitsbild Rheumatoide Arthritis
Kategorie: Rheumatoide Arthritis Die rheumatoide Arthritis ist mit einer geschätzten Inzidenz von 50 bis 100 auf eine Million Einwohner die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung. In Deutschland leiden ungefähr 800.000 Menschen an einer RA. ![]() Fortgeschrittene rheumatoide Arthritis mit starken Verformungen und Versteifungen der Fingergelenke. r-o-Foto: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer ![]() Ausgeprägte Kontrakturen der Fingergelenke bei rheumatoider Arthritis. Durch eine frühzeitige Diagnose und rechtzeitig eingeleitete, wirksame Behandlung können heute solche Folgeschäden der Erkrankung verhindert werden. r-o-Foto: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer ![]() Rheumaknoten treten vor allem bei prognostisch ungünstigen Verlaufsformen einer rheumatoiden Arthritis auf. Glücklicherweise werden sie heute bei den verbesserten Behandlungsmöglichkeiten immer seltener gesehen. r-o-Foto: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer ![]() Vorfußbeteiligung bei rheumatoider Arthritis. r-o-Foto: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer
Das klinische Bild der rheumatoiden Arthritis
Für den Patienten besteht die Möglichkeit, das Risiko für eine entzündlich rheumatische Erkrankung über einen validierten Fragebogen, z.B. den „RheumaCheck“, abzuschätzen. Im Rahmen des Früharthritis-Projekts der DAK (Deutschen Angestellten Krankenkasse) und HMK (Hamburg Münchner Krankenkasse) in Kooperation mit dem Schwerpunkt für Rheumatologie, klinische Immunologie und Osteologie am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein wird eine etwas kürzerer, aber auch gut treffsicherer Fragebogen speziell zur Arthritis-Früherkennung eingesetzt (Download). Diagnostik der RA: Labor und Bildgebung Besteht die Verdachtsdiagnose einer RA, wird durch eine Reihe von Untersuchungsmethoden, u.a. ausführlicher Gelenkstatus, Laboruntersuchungen, Röntgenuntersuchungen, das Risiko für eine RA sowie die Schwere dieser Erkrankung und damit deren Prognose abzuschätzen. Bei den Blutuntersuchungen kommt Entzündungsreaktionen wie der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und dem C-reaktiven Protein (CRP) eine wichtige Rolle zu. Das Fehlen einer signifikanten Entzündung schließt eine RA allerdings nicht aus. Gerade bei einer frühen Arthritis findet sich bei etwa einem Drittel der Patienten bei diesen Untersuchungen noch keine erhöhte Blutsenkung oder ein erhöhtes CRP. Ein wichtiger Fortschritt bei der Frühdiagnostik ist das CCP (cyclisches citrulliniertes Peptid), was neben dem Rheumafaktor (RF) und anderen Autoantikörpern zusätzliche Informationen liefert und die Diagnosesicherheit erhöht. Beide Antikörper (CCP und RF) haben eine Sensitivität von etwa 60-80%, bei der Spezifität ist das CCP dem RF überlegen (ca. 95% vs. 80%). Der Nachweis beider Antikörper gibt außerdem Hinweise auf eine Persistenz und die Schwere der Erkrankung. Für die frühe Diagnostik der RA ist es besonders interessant, dass vor allem anti-CCP-Antikörper der klinischen Beschwerdesymptomatik der Erkrankung durchaus um mehr als zehn Jahre vorausgehen können. Durch Laboruntersuchungen gelingt es heute zudem immer besser, eine beginnende RA von anderen anderen Ursachen für Gelenkschwelllungen/ -schmerzen zu unterscheiden. Die traditionelle Bildgebung der RA bleibt weiter die konventionelle Röntgendiagnostik von Händen und Füßen. Oft sind radiologische Veränderungen allerdings erst nach Monaten einer Gelenkentzündung sichtbar, deshalb ist diese Technik für die adäquate Diagnostik der frühen RA unbrauchbar. Aus diesem Grund wurde in den letzten Jahren intensiv nach Möglichkeiten für sensitivere und frühere Detektion von Gelenkzerstörung gesucht. Hier bieten sich heute neuere bildgebende Verfahren wie die Arthrosonographie und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) an, die eine höhere Sensitivität in der Detektion von frühen Veränderungen haben. Prinzipien der Therapie: Koordinierte, problemorientierte, multidisziplinäre Behandlung Die Versorgung von Patienten mit RA soll möglichst von Beginn an in Form einer koordinierten, problemorientierten, multidisziplinären Behandlung erfolgen. Hierzu gehören neben der haus- und fachärztlichen Behandlung sicher auch die physiotherapeutische Betreuung sowie die Patienteninformation und –schulung. Die RA verursacht im zeitlichen Verlauf eine progrediente Gelenkzerstörung, die u.a. zu Funktionsverlust, Arbeitsunfähigkeit und Einschränkungen der Lebensqualität führt. Etwa 2/3 aller Patienten mit einer frühen RA entwickeln im Verlauf von 5 Jahren eine wesentliche Funktionseinschränkung. Wie oben ausgeführt schreiten diese Zerstörungen zu Beginn der Erkrankung am stärksten fort und sind in dieser Phase am besten durch eine Therapie zu beeinflussen. Bei einem Therapiebeginn in den ersten sechs Monaten der Erkrankung lässt sich das Risiko für einen solchen Funktionsverlust halbieren und die Chance für eine Krankheitsremission signifikant (um das 3-fach) verbessern. Mit dieser Strategie lässt sich außerdem häufiger eine Beschwerdefreiheit erreichen als in späteren Stadien. Auch die Sterblichkeit, welche bei RA-Patienten insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenüber der Normalbevölkerung erhöht ist, kann durch eine adäquate und frühzeitige Therapie reduziert werden. Trotz der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten ist die RA allerdings auch heute noch nicht heilbar. Medikamentöse Therapie: Neben symptomatischer Therapie (z.B. nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR), die Gelenkschmerzen verringern), sollten Patienten immer mit sogenannten DMARDs behandelt werden, welche über symptomatische Effekte hinaus, krankheitsmodifizierende Eigenschaften besitzen und so die Gelenkzerstörung vorbeugen, bzw. diese verzögern. Hier kommen vor allem Medikamente wie Methotrexat, Gold, Sulfasalazin, Chloroquin, Leflunomid und Ciclosporin in Frage. Im Falle eines unzureichenden Ansprechens nach etwa drei Monaten auf eine Mono-Therapie sollte die Therapie um eine MTX-haltige Kombination erweitert werden. Bei allen DMARDs ist die zusätzliche Gabe einer Cortison-Therapie in niedriger bis mittlerer Dosierung geeignet, die Krankheitsaktivität bis zum Erreichen der Wirkung der Basistherapie zu unterdrücken. Sollte das primäre Ziel der Therapie eine Remission (d.h. das völlige Fehlen von Symptomen) nicht erreicht werden, kommen heute so genannte Biologika zum Einsatz. Zu dieser Substanzgruppe zählen aktuell hauptsächlich die TNF-alpha-Inhibitoren Infliximab, Etanercept und Adalimumab. Diese Medikamente sollen nach dem Versagen von mindestens zwei klassischen DMARDs zur Anwendung kommen. Weiter verfügbare Biologika sind die bei der RA zugelassenen Medikamente Anakinra, Rituximab und Abatacept. Weitere, teilweise vielversprechende Substanzen befinden sich in der klinischen Erprobung. Quelle: Nach einer Pressemitteilung des Rheuma-Zentrums Rhein Ruhr Kommentar schreibenSie müssen angemeldet sein, um Kommentare verfassen zu können. |
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