Relative Kontraindikationen ("Bei welchen Patienten ist bei einer Kineret-Therapie besondere Vorsicht geboten?")

Beschränkte Einsatzmöglichkeiten bestehen für Kineret bei Patienten, die stark zu Infekten neigen oder bei denen sonstige Bedingungen oder Begleiterkrankungen vorliegen, die mit einem erhöhten Risiko für Infektionen einhergehen (Immunkompromittierung).

Anakinra ist zwar kein Immunsuppressivum, d.h. es ist kein Medikament, dass seine Wirkung durch die Unterdrückung der Immunabwehr erzielt. Als IL-1-Blocker beeinflusst es aber die immunregulative Wirkung von Interleukin-1 und greift damit in das Immunsystem ein. Bei Patienten mit erhöhter Infektanfälligkeit ist deshalb bei einer Therapie mit Anakinra besondere Vorsicht geboten; u.U. kann bei Ihnen je nach individueller Situation sogar eine sogenannte absolute Kontraindikation vorliegen, d.h. das Medikament kann dann bei ihnen überhaupt nicht zum Einsatz kommen.

In diesen Zusammenhang fallen auch medikamentöse Therapien mit ausgeprägterer immunsuppressiver Wirkung (Immunsuppressiva) sowie die TNF-alpha-Blocker. Speziell die Kombination mit TNF-alpha-blockierenden Substanzen scheint das Infektionsrisiko bei einer Kineret-Therapie stark zu erhöhen. Deshalb sollte eine Kombinationstherapie von Kineret mit TNF-alpha-Blockern wie Etanercept (Enbrel) oder Infliximab (Remicade) in der Regel nicht erfolgen. Wenn sich in speziellen Einzelfällen nach sorgsamer Abwägung die Notwendigkeit zu einer solchen Kombination ergibt, sollte diese nur von Ärzten durchgeführt und kontinuierlich überwacht werden, die über eine besondere Erfahrung bei der Behandlung der chronischen Polyarthritis und bei der Anwendung von biologischen Substanzen verfügen.

Aus Sicherheitsgründen sollte eine Therapie mit Kineret nicht während einer floriden Infektion begonnen werden. Tritt unter einer laufenden Therapie mit Anakinra eine Infektion auf, muß die Therapie in Absprache mit dem behandelnden Arzt ggf. unterbrochen werden. Nach Abschluß der eventuell notwendigen antibiotischen Behandlung des Infektes und endgültigem Abklingen der Infektion kann die Therapie mit Antibiotika in der Regel dann wieder fortgesetzt werden.

Der Einfluß von Kineret auf chronische Infektionen (z.B. chronisch-aktive Hepatitis B oder Hepatitis C) ist unbekannt. Beim Einsatz der Substanz bei Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen ist deshalb erhöht Vorsicht geboten und ggf. ein erhöhter Kontrollaufwand empfehlenswert.

Bei Patienten mit Nierenfunktionseinschränkung sind Dosisanpassungen nicht erforderlich, solange nur leichte Einschränkungen der Nierenfunktion bestehen und die Kreatininclearence den Wert von 50 ml pro Minute nicht unterschreitet. Da keine ausreichenden Daten für den Einsatz bei Patienten mit höhergradigen Nierenfunktionseinschränkungen vorliegen, sollte bei mäßiger Nierenfunktionstörung (Kreatininclearance zwischen 30 bis 50 ml pro Minute) Kineret mit Vorsicht angewendet werden. Bei hochgradiger Nierenfunktionseinschränkung darf eine Behandlung mit Kineret nicht erfolgen (s.o.).

 

Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Stand: 21.11.2006

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