Anakinra / Kineret in der Kombinationstherapie

Auf der Basis der in Europa gültigen Zulassung sollte Kineret bei Patienten eingesetzt werden, die auf eine vorausgegangene Behandlung mit Methotrexat (Mtx) nicht ausreichend angesprochen haben. Die Therapie erfolgt bei diesen Patienten als Kombinationstherapie, d.h. die laufende Methotrexat-Therapie wird beibehalten und um Kineret erweitert.

Die entsprechende Zulassung geht auf 2 klinische Studien zurück, in denen die Wirksamkeit der Kombinationstherapie mit Kineret bei Patienten nachgewiesen wurde, bei denen eine Monotherapie mit Methotrexat nicht ausreichend wirksam war (Einzelheiten zu diesen Studien unter Studien zu Anakinra (Kineret)).

Ausgehend vom Wirkmechanismus von Anakinra bieten sich aber unter einem theoretischen Blickwinkel neben Methotrexat weitere Kombinationspartner an, insbesondere andere langwirksame Antirheumatika wie --> Leflunomid (Arava) oder auch --> Ciclosporin (Sandimmun, Sandimmun optoral) und --> Azathioprin (z.B. Imurek, Azathioprin medac), weiterhin die TNF-alpha-Blocker Etanercept (Enbrel) und und Leflunomid (Arava).

In der oben genannten Studie zur Sicherheit von Kineret wurden Patienten mit einigen dieser Kombinationen behandelt (Sulfasalazin, Hydroxychloroquin, Gold, D-Penicillamin, Leflunomid und Azathioprin). Soweit die bisherigen Daten überhaupt statistisch verwertbare Aussagen zulassen, wurden bei diesen Kombinationen keine speziellen Probleme beobachtet.

Im Hinblick auf die Wirksamkeit solcher Kombinationen liegen derzeit allerdings noch keine genügend umfangreichen Daten vor, so dass derzeit noch nicht einmal eine vorläufige Bewertung zur unterschiedlichen Wirksamkeit der einzelnen Kombinationen gemacht werden kann.

Wegen der theoretisch zu erwartenden erheblichen gegenseitigen Wirkungsverstärkung des IL-1-Blockers Anakinra durch die Kombination mit einem TNF-alpha-Blocker wurde eine entsprechende Pilotstudie in der Kombination von Kineret mit --> Etanercept (Enbrel) an 58 Patienten mit rheumatoider Arthritis über einen Zeitraum von 24 Wochen durchgeführt. Das auffälligste Ergebnis dieser Studie war eine wesentliche Zunahme der Nebenwirkungsrate, insbesondere von schweren Infektionen und von Neutropenien (Abfall der weißen Blutkörperchen). Die Kombination von Kineret mit TNF-alpha-Blockern ist damit eine Behandlungsstrategie, die nur ganz speziellen Situationen vorbehalten sein sollte und die auch nur von Ärzten eingeleitet, durchgeführt und überwacht werden sollte, die über eine besondere Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis und zugleich auch in der Anwendung von biologischen Substanzen verfügen.

Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Stand: 21.11.2006

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