Krankheitsbild der chronischen Polyarthritis

Es handelt sich bei der chronischen Polyarthritis um eine Erkrankung, bei der es zu Entzündungen in vielen Gelenken kommt. Für die Diagnosestellung ist dabei das sogenannte Gelenkbefallsmuster wichtig. Typischerweise betroffen sind kleine Gelenke (Fingergelenke, Zehengelenke), ebenso typisch ist der sogenannte "symmetrische" Befall, d.h. eine Gelenkbeteiligung auf beiden Seiten des Körpers (z.B. Fingergrundgelenke an der rechten Hand und Fingergrundgelenke an der linken Hand oder Beteiligung beider Handgelenke usw.). Im Gegensatz zu einer akuten Polyarthritis gehen die Entzündungen bei einer chronischen Polyarthritis nicht innerhalb von einigen Tagen oder Wochen zurück, sondern bleiben bestehen ("chronische" Polyarthritis). Die seronegative chronische Polyarthritis unterscheidet sich von der sehr ähnlichen seropositiven chronischen Polyarthritis dadurch, daß bei ihr der sogenannte Rheumafaktor im Blut ("Serum") nicht nachweisbar ist, die Untersuchung also negativ ist ("sero-negativ").

Die Ursache der chronischen Polyarthritis (seronegativ und seropositiv) ist unbekannt. Man weiß lediglich, daß es zu einer Störung im Immunsystem kommt, jedoch nicht, wodurch diese ausgelöst wird. Gegenwärtig zählt man die chronische Polyarthritis zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen.

Eine chronische Polyarthritis macht sich durch Entzündungen in den Gelenken bemerkbar. Diese Entzündungen äußern sich in erster Linie durch Schmerzen, aber auch Überwärmungen der Gelenke, Hitzegefühl, desweiteren Schwellungen und z.T. auch Ergußbildungen (Wasser in den Gelenken, hat mit Blutergüssen nichts zu tun). Im Gegensatz zu verschleißbedingten Gelenkerkrankungen, sogenannten Arthrosen, ist der Entzündungsschmerz in den Gelenken typischerweise in Ruhe und bessert sich bei Bewegung. Bei starken Entzündungen kommt es zu nächtlichen Gelenkschmerzen, von denen man aufwacht. Ebenfalls typisch für entzündliche Gelenkerkrankungen sind eine ausgeprägte Morgensteifigkeit, die je nach Schwere und Aktivität der Erkrankung bis weit in den Tag andauert und z.T. sogar den ganzen Tag über nicht verschwindet.

Die chronische Polyarthritis ist aber keine reine Gelenkerkrankung, obwohl sie davon ihren Namen hat. Sie ist eine Allgemeinerkrankung mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Allgemeinsymptomen. Dies hängt damit zusammen, daß die zugrundeliegende Störung im Immunsystem liegt und das Immunsystem in alle Bereiche es Körpers hineinwirken kann.

Typische Begleiterscheinungen der chronischen Polyarthritis sind damit eine je nach Krankheitsaktivität mehr oder minder ausgeprägte Müdigkeit, desweiteren u.U. ein allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Lustlosigkeit, Depressivität, außerdem vor allem in Schubsituationen deutliche allgemeine Leistungsminderung, Abgeschlagenheit sowie eine erhöhte Körpertemperatur bis hin zu leichtem Fieber.

Außerhalb der Gelenke kann die chronische Polyarthritis die Weichteile befallen. Typische Bespiele sind Sehnenscheidenentzündungen (Karpaltunnelsyndrom, Sehnenscheidenentzündungen auf dem Handrücken bzw. über dem Handgelenk, aber auch auf dem Fußrücken; Tenosynovitis), Rheumaknoten (unter der Haut liegende, derbe, verschiebliche Knoten vor allem auf der Streckseite der Gelenke; typische Stelle: Ellenbogen) oder Schleimbeutelentzündungen (typisch auch am Ellenbogen).

Gefürchtet sind die Organbeteiligungen bei chronischer Polyarthritis. Sie sind glücklicherweise selten, stellen dann aber z.T. lebensbedrohliche Komplikationen dar. Beispiele für Organbeteiligungen bei einer chronischen Polyarthritis sind

Die Therapie einer chronischen Polyarthritis verfolgt verschiedene Ziele. Die wichtigsten sind:

  1. Sofortmaßnahmen (Akuttherapie): Schmerzlinderung, Entzündungshemmung, Beseitigung eventuell bestehender Bewegungseinschränkungen etc., Beseitigung akut lebensbedrohlicher Krankheitskomplikationen
  2. Remissionsinduktion (Krankheitskontrolle): Beseitigung der chronischen Entzündung
  3. Remissionserhalt: Dauerhafte Stabilisierung der erreichten Erfolge
  4. Vorbeugung von dauerhaften Schäden z.B. durch Gelenkschutzmaßnahmen, z.B. durch Krankengymnastik, vor allem auch durch Gelenkschutztraining und Patientenschulung
  5. Rehabilitation: Wiederherstellung möglichst normaler Lebensverhältnisse (Rehabilitation)

Autor: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer
Stand: 21.11.2006

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