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Tennisellenbogen

Umgangssprachliche Bezeichnung für eine Epicondylitis humeri lateralis. Die häufigste Ursache für einen Tennisellenbogen ist eine Überbeanspruchung / Überlastung des Armes durch monotone, mit viel Kraft ausgeübte Tätigkeiten. Wenn es zu einem Tennisellenbogen kommt, ohne daß man eine solche Ursache findet, muß man an eine Manifestation im Rahmen einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung denken. Da der Tennisellenbogen ein Sehnen-Ansatz-Problem ist, tritt er auch ohne wesentliche Überlastungen vor allem bei solchen rheumatischen Erkrankungen auf, die typischerweise mit einer erhöhten Rate an Sehnenansatzproblemen („Enthesiopathien“) einhergehen. In der Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind dies vor allem die seronegativen Spondarthritiden (Spondylarthropathien). In der Gruppe der „weichteilrheumatischen“ Erkrankungen kommt es bei Fibromyalgie typischerweise auch zur Beteiligung des Ellenbogens, die sich in ihrer Symptomatologie kaum von einem Tennisellenbogen unterscheidet.

Wir haben in den rheuma-news vom Februar 2002 über eine Studie zur Therapie des Tennisellenbogens berichtet:

Tennisellenbogen – Operationen selten nötig

Der Tennisellenbogen ist häufig, oftmals sehr lästig und häufig ausgesprochen hartnäckig. Ursache ist nicht nur das Tennisspielen. Typische andere Auslöser sind alle Tätigkeiten, die mit länger andauernden und einseitigen Haltearbeiten mit großem oder größerem Krafteinsatz einhergehen (Arbeiten, bei denen ein kräftiger Faustschluß benötigt wird, z.B. auch der große Hausputz mit Reinigen von großen Glasflächen, Schrubben der Terrasse oder intensives Auto-Polieren etc.).

In einer aktuelleren Studie wurden nun die Effekte von unterschiedlichen Behandlungsansätzen untersucht.

Die Patienten wurden anfangs mit Eis, Bandagen, Schonung und Krankengymnastik behandelt. Zur Entzündungshemmung und Schmerzbehandlung erhielten sie Medikamente aus der Gruppe der cortisonfreien Entzündungshemmer (NSAR = „nicht-steroidale Antirheumatika“) oder örtliche Injektionen von Lokalanaesthetika (Spritzen zur örtlichen Betäubung) oder von Cortison, entweder alleine oder in Kombination.

84 Patienten wurden im Verlauf über im Mittel 2,8 Jahre nachuntersucht.

Bei drei Viertel der Patienten war die oben dargestellte Therapie erfolgreich. Bei 22 Patienten wurde eine Operation durchgeführt, da die Symptome mit den „konservativen“, nicht-operativen Behandlungsmethoden nicht zu beseitigen waren. Dabei zeigte sich, daß Patienten, die mehr als drei Cortisonspritzen erhalten hatten, doppelt so häufig operiert werden mussten wie diejenigen, die keine Cortisoninjektionen erhalten hatten.

Insgesamt waren die Ergebnisse sowohl der konservativen als auch der operativen Therapie auch im Langzeitverlauf sehr gut. Über 90% der Patienten erzielten im Mayo Elbow Performance Index (ein Messinstrument zur Beurteilung der Therapie) ein gutes oder ausgezeichnetes Ergebnis.

Quelle: Bowen RE et al.: Efficacy of nonoperative treatment for lateral epicondylitis. Am J Orthop 30 (2001): 642-646

Kommentar von rheuma-online:

Die Studie zeigt, daß eine konsequente, richtig durchgeführte Behandlung eines Tennisellenbogens in der überwiegenden Zahl der Fälle zu einem sehr guten Ergebnis führt. Nicht eindeutig ist der Zusammenhang zwischen der Zahl der Cortisonspritzen und der erhöhten Operationsbedürftigkeit. Wahrscheinlich deutet die erhöhte Zahl notwendiger Cortisonspritzen auf eine ausgeprägtere Symptomatologie und ein stärkere Krankheitsausprägung. Möglich wäre aber auch, daß der therapeutische Ansatz der Cortisonspritze als solcher eher auf die Notwendigkeit einer Operation hinausläuft. Eine abschließende Bemerkung: Ein gerne geübtes Verfahren ist die vollständige Ruhigstellung des Ellenbogens mit einem Gips, manchmal sogar über einen vergleichsweise längeren Zeitraum von 2-3 Wochen. Dies führt oft zu einer deutlichen Abnahme der Muskelkraft und muskulären Ausdauer, so daß nach Entfernung des Gipses die Belastbarkeit des Armes noch weiter verringert ist und es in der Folge sehr schnell, sogar bereits bei viel geringeren Belastungen des Armes als vorher, erneut zu Beschwerden / zu einem Rückfall kommt. Wir selber raten deshalb, auf eine völlige Ruhigstellung des Armes beispielsweise durch einen Gips oder eine Schiene zu verzichten, konsequent die begleitende entzündliche Komponente durch ein entzündungshemmendes Medikament aus der Gruppe der cortisonfreien Entzündungshemmer (s.o.) zu behandeln, den Schmerz ausreichend zu therapieren, da der Schmerz zu einer reaktiven Muskelverspannung führt und damit das Krankheitsbild ebenso wie die Entzündung von sich aus unterhält, und nicht zuletzt, bereits sehr früh mit einer vorsichtigen Krankengymnastik zu beginnen.

Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Letzte Änderung: 29.03.2012

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