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Chlamydia trachomatis

Untergruppe aus der Gruppe der Chlamydien. Chlamydia trachomatis ist vor allem in den Ländern der dritten und vierten Welt gefürchtet als Erreger des Trachoms (daher der Name trachomatis). Das Trachom ist eine Infektion der Augen, die bei der Geburt von der Mutter auf das Neugborene übertragen wird und unbehandelt beim Kind zur Blindheit führen kann. Weltweit ist das Trachom die häufigste Ursache für Blindheit. In den medizinisch entwickelten Ländern wird bei Säuglingen eine Ansteckungsvorbeugung durchgeführt (die Säuglinge bekommen direkt nach der Geburt und einige Tage danach Tropfen in die Augen, früher Silbernitratlösung, heute Antibiotikatropfen), die die Infektion verhindern.

Chlamydia trachomatis ist außerdem der Erreger der heute häufigsten Geschlechtskrankheit, der sogenannten unspezifischen nicht-gonorrhoischen Urethritis (Harnröhrenentzündung) . Die Bakterien halten sich vorzugsweise in den Zellen der Harnröhre, beim Mann auch in der Vorsteherdrüse (Prostata) oder in den Samenbläschen auf, bei der Frau am Gebärmutterhals (Zervix) oder in den Eileitern (Salpinx). Die Bakterien werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Eine Infektion führt bei Männern zu einem oder mehreren Symptomen bzw. Krankheitsbildern: Ausfluß und Schmerzen in der Harnröhre (Urethritis), Prostataentzündungen (Prostatitis) oder Entzündungen der Nebenhoden (Epididymitis). Manchmal verläuft die Infektion auch ganz symptomarm und wird z.T. gar nicht bemerkt. Bei Frauen kann es ebenfalls zu einer Harnröhrenentzündung kommen, allerdings ist die Harnröhre bei Frauen kürzer als beim Mann und macht deshalb häufiger nicht so starke oder gar keine Symptome, so daß eine Chlamydien-Urethritis von der Frau oft nicht bemerkt wird; weiterhin eine Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervicitis) sowie eine Entzündung der Eileiter (Salpingitis). Besonders die Salpingitis ist gefürchtet, da es durch die Entzündung zu Verklebungen des Eileiters führen kann. Dadurch können die Eier nicht mehr durch den Eileiter passieren und die Frau wird unfruchtbar. Chlamydieninfektionen gelten als die häufigste Ursache für die Sterilität (Unfruchtbarkeit) von Frauen.

In der Rheumatologie ist Chlamydia trachomatis bedeutsam als Auslöser der Chlamydien-induzierten Arthritis, einer Erkrankung aus der Gruppe der sogenannten infektreaktiven Arthritiden. Im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch wird die Chlamydien-Arthritis zu den sexuell übertragenen Arthritiden gezählt (SARA = sexuell aquirierte (erworbene) reaktive Arthritis).

Typischerweise kommt des dabei nach der Infektion zunächst zu den obengenannten Symptomen, die dann abklingen. Nach einem beschwerdefreien Zeitraum von einer Woche bis 3 Wochen tritt dann eine akute Gelenkentzündung auf, wobei gerne große Gelenke in der unteren Körperhälfte betroffen sind (vorzugsweise Knie, aber auch Sprunggelenke oder Zehengelenke). Sind die Zehengelenke betroffen, kommt es oft nicht nur zu einer Entzündung einzelner Gelenke, sondern des ganzen Zehs (Daktylitis). Allerdings können Chlamydien-induzierte Arthritiden auch ganz anders verlaufen. Oft ist die eigentliche Infektion so beschwerdearm oder ganz ohne Symptome verlaufen, daß der Patient sie gar nicht bemerkt hat und weder er noch sein Arzt einen Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und der vorher abgelaufenen Chlamydieninfektion herstellen. Das Gelenkbefallsmuster kann außerdem von dem beschriebenen abweichen. So gibt es Chlamydien-induzierte Arthritiden, die sich von ihren Symptomen her von einer chronischen Polyarthritis zunächst kaum unterscheiden lassen.

Die Diagnose einer Chlamydien-induzierten Arthritis wird am sichersten durch den Nachweis der Erreger gestellt. Dabei gehört es zu den typischen Merkmalen der infektreaktiven Arthritiden, daß lebende Erreger im Gelenk selbst nicht nachgewiesen werden können. Der Erregernachweis muß an der Stelle des ursprünglichen Infektionsortes bzw. an der Stelle der ursprünglichen Infektion geführt werden. Bei Chlamydien ist dabei zu beachten, daß sie sich strikt intrazellulär aufhalten, also nur in den Zellen des infizierten Gewebes. Wenn man also Chlamydien nachweisen will, benötigt man dazu infizierte Stellen. Eine normale Untersuchung des Urins reicht deshalb für den Nachweis einer Chlamydieninfektion nicht aus. Es gibt heute zwar aufwendige Techniken, mit denen man im frischgelassenen Morgenurin Chlamydien nachweisen kann. Dieses Verfahren befindet sich aber noch in der Erprobung und ist noch keine Standardmethode. Die derzeit gültige Methode ist die Abstrichuntersuchung (beim Mann wird ein Abstrich in der Harnröhre durchgeführt, bei der Frau ein Harnröhrenabstrich und ein Abstrich vom Gebärmutterhals). Außerdem ist es manchmal erfolgsversprechend, beim Mann das sogenannte Prostataexprimat zu untersuchen (der Urologe drückt dazu beim Mann die Prostata aus und untersucht die gewonnene zellhaltige Flüssigkeit) sowie die Samenflüssigkeit. Die anschließende Laboruntersuchung erfordert Erfahrung. Der direkte Chlamydiennachweis ist insgesamt nicht ganz einfach. Deshalb gelingt er in Abhängigkeit von der Erfahrung aller beteiligten Ärzte (z.B. Urologe, Gynäkologe, Labor/ Mikrobiologe) mehr oder weniger häufig. Deshalb schließt leider ein fehlender Chlamydiennachweis mit den genannten Methoden eine Chlamydieninfektion nicht aus.

Vor allem wenn die Ansteckung länger zurückliegt, mißlingt der Direktnachweis ebenfalls häufiger. Zur Diagnostik einer Chlamydieninfektion werden deshalb ergänzend zu den Direktnachweisen auch Blutuntersuchungen durchgeführt. Mit diesen Untersuchungen wird geschaut, ob der Körper im Rahmen der Infektionsabwehr sogenannte Antikörper gegen Chlamydien gebildet hat. Leider kann man mit dieser Methode nicht genau sagen, wann die Infektion erfolgt ist und ob der Antikörper nur noch eine Folge einer früher durchgemachten und jetzt abgeheilten Infektion ist oder ob noch eine aktive Infektion besteht. Dies gilt besonders für die Chlamydien-Antikörper der Klasse IgG (Immunglobuline). Je nach verwendetem Test können auch bei erfolgreich behandelten und ausgeheilten Chlamydieninfektion noch sehr lange auch sehr hohe Chlamydien-IgG-Antikörper nachweisbar sein. Hohe Chlamydien-IgA-Antikörper deuten allerdings auf eine noch vorhandene Infektion, beweisen sie letztendlich aber nicht. Nahezu beweisend für eine frische, noch floride Infektion mit Chlamydien ist der Nachweis von chlamydien-spezifischen IgM-Antikörpern (Chlamydia-Antikörper der Klasse IgM).

Die Therapie einer Chlamydieninfektion erfolgt mit Antibiotika. Wichtig zu wissen ist, daß es nur wenige Antibiotika gibt, die gegen intrazellulär wachsende Bakterien wirksam sind (siehe dazu auch Yersinien). Normalerweise erfolgt eine wirksame Therapie mit Tetracyclinen (Doxycyclin). Die übliche Dosis ist 2 x 100 mg/Tag für 10 bis 14 Tage. Wird geringer dosiert, kommt es häufig nicht zu einer Beherrschung der Infektion. Wird das normalerweise gut verträgliche Doxycyclin nicht vertragen oder wirkt es nicht ausreichend, kommen sogenannte Gyrasehemmer zum Einsatz. Wichtig ist die gleichzeitige Mitbehandlung des Sexualpartners, um ständige gegenseitige Ansteckungen zu vermeiden (der sogenannte "Ping-Pong-Effekt").

Nähere Informationen unter Chlamydien-induzierte Arthritis.

Autor: Priv. Doz. Dr. med H.E. Langer
Letzte Änderung: 16.03.2012

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