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  1. #1
    Eveline Jeschewsky
    Gast

    Gedanken zum 60. Geburtstag

    von meiner Schulfreundin Heide aus Bremen über die ich mich sehr gefreut habe!

    Ab 60 wird manches schwieriger. Das ist der Preis des Alters. Doch es gibt auch freundliche Aspekte und nur von denen soll jetzt die Rede sein:

    Wir gliedern in 4 Stichworte:

    1. Der Altersbonus

    Der Altersbonus wird 60ern ohne eigenes Zutun gewährt.
    Ich empfehle dringend, sich dagegen nicht zu sperren. Wenn man den Bonus akzeptiert, kann man daraus nur Vorteile ziehen.
    Einige Beispiele: Bundesbahn, Am Skilift, Konzert, usw

    Wir genießen mittlerweile eine Art Narrenfreiheit, können drauflosreden, brauchen nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.
    Wenn wir klug daherreden, werden wir doppelt gelobt - eben weil wir immer noch so klug sind. Wenn wir einmal weniger Kluges reden, übt man Nachsicht- weil wir halt schon etwas älter sind.

    Wenn wir einmal die gleiche Geschichte im gleichen Kreis zum wiederholten Male erzählen, erhalten wir trotzdem höflichen Applaus- auch wenn wir die Pointe vorneweg oder etwas falsch erzählen, wissen die Zuhörer doch vom letzten Mal, wie die Geschichte richtig geht.

    Selbst das Finanzamt kann dem Alter freundlichen Respekt zollen. Auf unserem letzten Steuerbescheid stand der handschriftliche Zusatz:“ Schreib- und Rechenfehler im Antrag wurden berichtigt.“ Das war doch richtig nett.
    Die von Winfried geschätzte Bibliothek im Anwaltszimmer hat den Katalog auf Computer umgestellt - und macht ihn dadurch hilflos. Nun lächelt er nur schüchtern und bestaunt den Computer und fast immer hat er Erfolg und bekommt seinen Artikel ohne dass er diesen modernen Teufelsapparat auch nur berühren muß. Der Vorteil des Alters


    2. Stichwort: Altersgroßzügigkeit.

    Einige noch nicht so alte reden von Altersschusseligkeit. Das ist taktlos.
    Es ist keine Schusseligkeit die uns auszeichnet, sondern eine nach Jahrzehnten Stress und Korrektheit erreichte Stufe des gelockerten Umganges mit den kleinen Dingen des Alltags.
    60iger sind nicht mehr pingelig, sondern locker und gelöst. Es kommt nicht mehr so genau auf alles an- auch wenn dadurch die Umgebung hier und da irritiert ist.
    Warum nicht die Postleitzahl mit der Telefonnummer verwechseln? Die Post kommt dann zwar später an, erfreut dadurch aber vielleicht doppelt.

    Warum nicht bei einer Überweisung statt des Betrages das Geburtsdatum einsetzen? Die Bank wird es schon richten.

    Warum nicht immer häufiger etwas verlieren oder verlegen?
    Fast alles findet sich wieder und die Suche nach Schlüssel, dem Telefon
    oder dergleichen hat doch auch ihren eigenen Reiz.

    Warum nicht mal einen Termin vergessen, das zwingt zu Phantasie und die Suche nach Alternativen hält fit.
    Ich suche für uns einen Zug aus dem Fahrplan, aber der Zug kommt 1 Stunde später weil ich falsch nachgeguckt habe. Früher hätte ich mich geärgert, heute zucke ich mit den Schultern. Auf einem hässlichen Bahnhof müssen wir umsteigen. Ein fast voller Zug und ein leerer Zug, dessen Lokomotive noch rangiert, stehen bereit. Wild entschlossen besteige ich den letzteren. Mein Mann folgt gläubig. Wir unterhalten uns über das steigende Defizit der Bundesbahn und lassen den anderen Zug getrost abfahren. Ein Schaffner, den ich irgendwann frage, wann er denn nun endlos losfährt, lacht schallend.
    So haben wir Gelegenheit, im ersten Hause am Platze - nicht gepflegt, aber billig zu speisen. Ein anschließender Spaziergang in der öden Gegend fasziniert uns so, dass wir fast noch den nächsten Zug verpassen.

    3. Stichwort: Altersfestigkeit.
    Auch hierbei ist der diskriminierenden Verfälschung zu widersprechen.
    Das lieblose Wort vom Altersstarrsinn geht um- aber nichts ist falscher als das!
    Es geht hier um eine gediegene Stabilität der Anschauungen.
    60ziger, die sich progressiver gerieren als Teenager und wendiger sind als opportunistische Karrieristen, machen sich doch lächerlich. Wir sollen offen bleiben für Neues. Lernfähigkeit endet nicht mit 60., aber wir müssen nicht alles, was uns wichtig und richtig schien- über Bord werfen, nur weil es nicht mehr in den Zeitgeist passt.
    Gediegene Festigkeit birgt obendrein noch den Vorzug der Zuverlässig-keit und Berechenbarkeit.
    Kritisch könnte man zwar anmerken, bei 65igern wisse man immer schon im voraus, was sie sagen werden, aber ist das nun ein Mangel? Sind 30iger immer originell???

    Zur Altersfestigkeit gehört -

    Stichwort 4 Altersweisheit:
    Wir müssen einsehen, dass die eigenen Grenzen leicht enger werden. Wir müssen ja das Rad nicht mehr erfinden und alle Probleme dieser Welt lösen wollen. Wir können noch allerlei, müssen aber nicht so viel tun.
    Viel dürfen und wenig müssen, das ist doch eigentlich beneidenswert.

    Ziehen wir die Konsequenzen:
    Die uns vergönnte Spanne Leben wird kürzer.
    Der Zeitpunkt, an dem wir uns nur noch fallen lassen können in die Hand eines ganz Anderen, rückt näher.

    Wir leben nicht mehr so leichtfüßig wie einst im Mai, dürfen uns aber geborgen wissen.


    Liebe Grüsse,

    [%sig%]

  2. #2
    Irmgard Nelißen
    Gast

    Re: Gedanken zum 60. Geburtstag

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    Hallo, Mimmi,
    es wäre toll, wenn das wirklich alles so wäre, dann wäre ich für den Moment getröstet. Ich habe nämlich eben ca. eine Viertelstunde meine Brille im ganzen Haus gesucht, und jetzt suche ich meine neue Digitalkamera, die ich meinem Neffen per EMail erklären soll, damit er mir auf diesem Wege einige Tipps geben kann. Ganz sicher habe ich ja mehrere Freipunkte, weil ich über 60 Jahre bin.
    Bist du etwa 60 geworden, ohne daß ich das mitbekommen habe? Dann wünsch ich dir alle Altersweisheit und Gelassenheit, die man nur haben kann, und natürlich auch beste Gesundheit usw. Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub in Lappland.
    Bis bald im Chat.
    Neli

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