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Thema: Zahnersatz

  1. #1
    Josefine
    Gast

    Zahnersatz

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    Hallo, schönen guten Abend,

    bin zum ersten mal im Forum; bin froh, dass ich hier mal mein Problem von der Seele reden kann.

    Ich bin 48 Jahre und habe seit ca. 20 Jahren Sklerodermie. Eigentlich geht es mir gar nicht so schlecht - kann immerhin noch arbeiten.
    Aber jetzt musste ich mir wegen der Sklerodermie alle Zähne ziehen lassen (mein Zahnfleisch war praktisch nicht mehr vorhanden). Ich habe jetzt seit einigen Wochen eine Vollprothese mit der ich aber überhaupt nicht klar komme. Schaut total komisch aus, reden kann ich nicht richtig, essen so gut wie gar nicht, kein sicherer Halt (total wacklig)- also insgesamt richtig bescheiden. Jeder sagt "das wird schon", aber ich habe furchtbare Angst!

    Kann mir jemand mit seinen Erfahrungen Mut machen?

    Ich freue mich auf jede Antwort. Danke.

    Noch eine schönen Abend.
    Josefine

  2. #2
    Uschi
    Gast

    Re: Zahnersatz

    Liebe Josefine,

    ich bin 52 Jahre und habe Rheuma - chronische Polyarthritis - und habe auch die ersten Probleme mit den Zähnen, allerdings bei mir durch das langjährige Cortison und die ständigen Entzündungsvorgänge im Körper.

    Mein Zahnarzt hat mir den Vorschlag unterbreitet, eine stationäre Aufnahme im Kieferklinikum zu machen, mir unter Vollnarkose alle noch vorhandenen Zähne ziehen zu lassen und - nach bereits vorangegangenen Untersuchungen und Erklärungen - dann komplette Implantate machen zu lassen. D. h. man würde mir in meinem Fall 4 Eckzähne "einpflanzen" und wenn alles verheilt ist, daran dann die oberen und unteren Teile eines Gebisses fest verankern. Dadurch könnte ich gut und sicher kauen und würde weniger Probleme haben.

    Lass dich doch mal vor Ort richtig von einem KIEFERORTHOPÄDEN informieren! Ich wünsche dir viel Erfolg und wenig Schmerzen und eine baldige Lösung des "leidigen" Problems.

    Liebe Grüsse
    uschi ch.

  3. #3
    Josefine
    Gast

    Re: Zahnersatz

    Hallo Uschi,



    ich war bei einem Kieferothopäden (alle 24 Zähne wurden in Vollnarkose gezogen - schrecklich!) und der sagte mir, dass bei einer Autoimmunerkrankung Implantate relativ sicher vom Körper abgestoßen werden.

    Das Risiko sei bei mir einfach zu groß.

    Trotzdem vielen Dank für Deine Antwort.

    Ich wünsche Dir für Deine weitere Behandlung alles Gute.

    Liebe Grüße Josefine

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  5. #4
    Angie
    Gast

    Re: Zahnersatz

    Hallo Josefine,
    habe seit einiger Zeit auch Probleme mit meinen Zähnen. Im März haute mir unser Hund auch noch einen Frontzahn heraus. War ein Volltreffer, denn es hatte auch noch den Kieferknochen angeknackst dabei.
    Vorige Woche war ich beim Zahnarzt, der da meinte, dass die Lücke ausschaue, als sei der Zahn grad erst gezogen worden - null Knochensubstanz nachgebildet, Kieferbruch ist bisher auch nicht verheilt. An den anderen Zähnen geht das Zahnfleisch rapide zurück; bin im Moment auch nur genervt, zumal auch ich mit der Prothese mächtige Probleme habe.
    Auf meine Frage, ob denn ein Implantat möglich sei, winkte er sofort ab, bei cP und mit Cortison sei das eher schwierig. Hab aber noch Glück, da es sich ja nur um einen Zahn handelt, so dass ich jetzt wohl eine Brücke kriege, sofern die Nachbarzähne noch stabil genug sind.
    Ich wünsche Dir eine optimale Lösung für Deine Beisser. Meine Eltern haben beide eine Vollprothese und nach vielen Jahren endlich etwas gefunden, was nicht nur gut sitzt und nicht rumwackelt, sondern auch nicht maßlos beim Essen stört. Ich werde mal nachfragen. Die Antwort kann aber ein bisserl dauern, weil meine Eltern ständig auf Achse sind.
    Alles Liebe aus Tirol
    von Angie

  6. #5
    Dadja
    Gast

    Re: Zahnersatz

    Hallo Josefine,

    meine Frau meint, dass ich Dir ein paar Zeilen schreiben sollte.
    Ich habe ein Dental-Labor, und bin mit der Problematik in der
    Totalprothetik vertraut, allerdings kann und darf ich mich nicht zu ärztlichen und hier vor allem auch zahnärztlichen Diagnosen
    äußern.
    Bei Rheumapatienten findet der Behandler sicherlich ganz andere
    Voraussetzungen für das sogenannte Prothesenlager vor, als bei einem Patienten, bei dem sich die Gewebesubstanz(Knochen und
    Deckgewebe), nicht so verändert durch Medikamenteneinflüsse.

    Grundsätzlich ist es jedoch bei jedem Patienten ein Problem, im
    Unterkiefer einen Totalersatz zum Halten zu bekommen, vor allem
    dann, wenn der Kieferknochen sich stark zurückgebildet hat, da
    die bewegliche Mundbodenmuskulatur im Unterzungenraum den Sitz
    der Prothese stets beeinflußt. Hier müssen dann diese Unterzungenräume sowie die Kieferäste im hinteren Bereich genutzt
    werden um mit Hilfe von Haftmitteln( Haftcreme) ein einigermaßen befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

    Einige technische Bemerkungen zur totalen Unterkiefergestaltung:

    korrekte Zahnaufstellung vorausgesetzt:

    1. balancierte Occlusion
    2. sublingualrolle
    3. retrale Kieferäste zwecks mechanischem Halt nutzen(falls ausgeprägt-meist jedoch Schmerzen verursachend, da in diesem Bereich das Deckgewebe nur dünn den Kieferknochen bedeckt-Folge
    sind Wundreiben).

    4. Vestibulärräume nutzen
    5. Mundringmuskelstütze buccal ausarbeiten

    Um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen, solltest Du vielleicht doch nochmal einen Implantologen-Kiefer-Gesichtschirurgen( zwecks setzen von Implantaten) zu Rate ziehen.

    Im Oberkiefer sieht die Sache meistens ganz anders aus bei einem
    Totalersatz. Hier kann man einen Totalersatz zum Saugen bekommen(entschuldige diesen Fachausdruck) und somit zu gutem Halt verhelfen. Im Oberkiefer hast Du den harten Gaumen( keine bewegliche Bodenmuskulatur wie im Unterkiefer). Außerdem wird hier der Übergang vom harten zum weichen Gaumen für den Halt des Totalersatzes genutzt(befindet sich bei den Nasenaustrittslöchern im hinteren Gaumenbereich, entlang bis zum hinteren Kiefer).

    Es gibt allerdings auch hier Problemfälle für das Prothesenlager(ein zu flacher Gaumen, sowie den sogenannten Schlotterkamm, zu stark zurückgebildeter Kieferknochen-wobei hier relativiert werden muß, sofern ein ausgeprägter Gaumen vorzufinden ist).

    technisch gilt auch hier bei vorausgesetzter korrekter Zahnaufstellung und korrekter Kieferabformung durch den Behandler:

    1. Nutzung der Vestibulärräume
    2. korrekte Radierung hinter dem harten Gaumen(A-linie)
    3. Mundringmuskelstütze buccal
    4. keine Eckzahnführung und balancierte Occlusion
    5. torus palatinus unterlegen( in Ausnahmefällen, darauf evtl. verzichten)


    Keine sonstigen Radierungen oder Sauger einarbeiten lassen( hier
    berühre ich evtl. medizinische Fachkompetenz- was sich jedoch nicht immer vermeiden läßt).

    Bevor ich auf die kosmetischen und phonetischen Probleme eingehe,
    noch ein paar technische Anmerkungen hinsichtlich einer korrekten
    Bißführung( evtl. Privatleistung).

    1. Da Dir erst gerade die Zähne entfernt wurden, gehe ich davon aus, dass Du eine Sofortversorgung (Immediatprothesen) erhalten hast. Diese tragen neben der Kosmetik zur besseren Wundheilung bei, sollten jedoch nur eine provisorische Versorgung Darstellen,
    da dieser Ersatz ohnehin demnächst unterfüttert werden müßte, da
    sich das Gewebe weiter abbaut(athrophiert).

    2. wenn dann nach der Abheilung der endgültige Ersatz gefertigt wird, sollte vom Behandler folgendermaßen vorgegangen werden:

    a) Abdrücke für die Fertigung individueller Abdrucklöffel
    b) nach Abdrucknahme mit diesen Abdrucklöffeln- Fertigung von Vorbißnahmen
    c) Nach der Vorbißnahme durch den Behandler, Fertigung von Bißplatten für ein Pfeilwinkelregistrat( dieses Registrat halte ich bei der Fertigung eines Zahnersatzes ohne Stützzonen für unverzichtbar)
    d) evtl. den Gesichtsbogen anlegen lassen, damit der Techniker
    das Oberkiefermodell lagerichtig in den sogenannten Artikulator
    setzen kann( dies ist ein Gerät, indem die Unterkieferbewegungen
    nach Vorgabe von Mittelwerten durchgeführt werden können.


    Bei der Bißnahme durch den Behandler gibt dieser dem Techniker
    Informationen bezüglich der Zahnform,-länge,-größe, indem er die
    Gesichtsmitte( meist übereinstimmend mit dem oberen Lippenbändchen), die Lachlinie( wichtig für die Zahnlänge), die
    Eckzahnlinie( meist Mundwinkelbereich) sowie die wichtige Lippenschlußlinie( Anhaltspunkt für die Länge der Unterkieferfrontzähne) auf der Bißnahme markiert. Mit dem Pfeilwinkelregistrat stellt er ferner die Bißhöhe ein( Kieferrelation). Sie sollte so eingestellt sein, dass später beim Zubeißen die Lippen nicht gepresst werden, zum Einen, zum Anderen, dass sich die Lippen nicht öffnen, wenn die Zahnreihen sich nicht berühren, der sogenannten Ruheschwebelage( Muskeltonus). Dies muß unbedingt möglich sein, da sich der Kaumuskel entspannen muß(zur Kontrolle Markiert der Behandler die eingestellte Kieferrelation an Kinn und Nasenspitze mit zwei
    Punkten(abwaschbar) um die Bißhöhe zu messen.


    Phonetik:

    Kosmetisch dürften somit keine Probleme auftauchen( Bei normalem
    Biß-eugnathem Biß), leichte Kieferfehlstellungen die zu einem
    Unterkiefervorbiß(Progenie) oder Oberkiefervorbiß(Prognathie) führen, können durch die Zahnaufstellung ebenfalls ausgeglichen werden, sodass in manchen Fällen auch ein positiveres kosmetisches Ergebnis erzielt werden kann.

    Technisch:

    Eine Kreuzbißzahnstellung sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

    Der Techniker muß nun dafür sorgen, dass dem Patienten die ungewohnte prothetische Versorgung so angenehm wie möglich gefertigt wird, was auch Einfluss auf die Phonetik haben kann.

    Nach frischen Wunden hat der Techniker meist wenig Platz für eine
    korrekte Frontzahnaufstellung. Sind diese abgeheilt und kommt es dann zur endgültigen Versorgung, gibt es bei der Frontzahnaufstellung, die zu phonetischen Störung führen kann(wie auch der schlechte Prothesensitz), einige Anhaltspunkte.Die Einen sind die Markierungen durch den Behandler. Ein Anhaltspunkt
    ( bei normalem Biß) ist Folgender: Wenn man den fffff-Laut spricht(lang sprechen)sollten die oberen ersten Frontzähne(Einser)die Unterkieferlippe berühren. Beim sssss-Laut sollte die Zungenspitze die hinteren Schneidekanten der unteren Front- Zähne berühren.

    Ansonsten ist ein Zahnersatz ein Fremdkörper der akzeptiert werden muß, sodass auch phonetische Störungen, bei korrekter
    Ausführung nicht auftreten müssen.

    Jetzt habe ich Dir viel geschrieben. Ich hoffe dass ich Dir ein wenig helfen konnte. Wenn Dir niemand weiterhelfen will, sollte man vielleicht auch den Weg zum Gutachter(über die Krankenkasse zu erfahren) nicht scheuen.

    Zusammenfassend:

    Behandler

    1. Immediatversorgung nur provisorisch
    2. endgültiger Ersatz nach Wundheilung(ca.4-6 monate)
    3. Pfeilwinkelregistrat, Markierungen für den Techniker
    (auch Lippenfülle, Lippenrot)
    4. Bißnahme auf Modellen fertigen lassen nach individueller Abdrucknahme

    Techniker

    Zahnstellung beachten(Kreuzbißvermeidung, Frontzahnstellung)
    evtl. solltest Du ins Labor gehen(ffff+ssss-Laut)

    2. balancierte Occlusion, keine Eckzahnführung

    3. Unterkiefer- Geweberäume nutzen, Mundringmuskelstütze

    4. Oberkiefer- A-linie, Mundringmuskelstütze, Vestibulärräume nutzen

    Patient

    Nach korrekter prothetischer Versorgung der neuen Situation Zeit
    geben

    2. Nachsorge-Kontrolltermine Beachten( Unterfütterungen ca.1x pro Jahr)

    Viele Grüße

    Reinhold


    P.S. Demnächst Internet www.Zahnprothesen-online.de

  7. #6
    Josefine
    Gast

    Re: Zahnersatz

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    Hallo Reinhold,
    vielen, vielen Dank,
    auch ich bin genau wie Angie von Deinen Ausführungen total beeindruckt. Habe sie mir natürlich auch gleich ausgedruckt und werde demnächst bei meinem Zahnarzt auf der Matte stehen und mich nicht wieder mit dem Satz "das ist alles ganz normal" abwimmeln lassen.
    Deine Antwort hat mir so gut getan; es gibt also doch noch gute Chancen für mich, zu einigermaßen annehmbaren "Zähnen" zu kommen
    (hatte heute wieder einen frustrierenden Tag).

    Nochmals vielen Dank
    Gruß auch an Deine Frau
    Josefine

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