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  1. #1
    Gaby Wiest
    Gast

    Panische Angst vor der Zukunft.

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    Hallo alle zusammen,
    ich habe gerade einen Bescheid von der BfA bekommen,dass ich nun Rente wegen Erwerbsunfähigkeit bekomme. Einerseits bin ich froh darüber, weil es mir inzwischen sehr schlecht geht und ich selbst alltägliche Kleinigkeiten kaum noch schaffe. Andererseits bin ich auch deprimiert,weil die Rente naturgemäß (bin knapp vierzig) winzig ist und das bedeutet, dass ich bis zum Ende meines Lebens zum Sozialamt betteln gehen muss und davor graut mir total.Das ist doch kein Leben mehr und am liebsten wäre ich tot.Nicht einmal etwas hinzuverdienen könnte ich mir, weil ich das körperlich nicht mehr schaffe.Ich würde mich riesig freuen,
    wenn sich vielleicht jemand melden würde, der in ähnlicher Situation ist oder Tipps für den Umgang mit dem Sozialamt hat.
    Ich wünsche euch allen einen schönen,schmerzfreien Tag
    viele liebe Grüße aus Hessen
    Gaby Wiest

  2. #2
    Uschi
    Gast

    Re: Panische Angst vor der Zukunft.

    Liebe Gabi Wiest,

    auch ich kenne diesen Weg - Kopf hoch. Du musst zu allererst mal hinsitzen, deine gesamten Kosten auflisten (Miete, Nebenkosten, Telefon, TV Gebühren, Versicherungen, evtl. Bankschulden, sonstige Fremdkosten) und dann die Einnahmen dazu.

    Dann ruf auf dem Sozialamt deiner Stadt an und frage, wie hoch der Sozialsatz bei ihnen ist. Wenn du den hast, dann mußt du deine Ausgaben (ohne Lebenshaltungskosten) von den Einnahmen abziehen und wenn du weniger übrig hast als den Sozialsatz, dann bekommst du genau das dazu!

    Dann gibt es noch den Antrag beim Wohnungsamt für ein paar Mark, dann gibt es 2 x jährlich Geld vom Sozi für Extrakleidung und wenn du Reparaturen im Haus hast, neue E-Geräte brauchst etc. dann hilft dir das Sozialamt auf Antrag.

    Es ist dein Recht! Also nimm es an. Ich habe es auch getan und mich damit abgefunden. Ich mußte 2 Jahre vom Sozialamt leben und bekam nach der Rentenbewilligung dann Zuschuss. Allerdings, wenn du Sozialgeld beziehst und ein Auto hast, dann mußt du aufpassen. Das darf man nicht haben.

    Telefongrundgebühren und Fernsehgebühren werden auf Antrag (Formulare bei Sozialamt) storniert bzw. Telekom reduziert, so daß du auch hier kleine Hilfen hast.

    Ich gebe dir ein Beispiel: bei uns ist der Sozialsatz für eine Alleinstehende Person zum Leben (!) € 270. D.h. nach Miete und Nebenkosten, sonst. Leistungen etc. müssen dir diese 270 bleiben, allerdings je nach dem musst du davon auch noch den Strom selber zahlen!

    Geh aufs Sozialamt, hol dir den Antrag, füll alles aus und maschiere los.

    NUN EIN WICHTIGER TIPP. Wenn du irgendwo Geld hast, sofort jetzt runter und zuhause BAR lagern! Kein Kontoauszug darf mehr als einen Sozialsatz plus haben! Frage nach Versicherungen beantwortest du mit einem strikten NEIN! Sparbücher? Sofort auflösen. Wenn die fragen würden wo es ist, dann sagst du, dass du damit noch alte Schulden beglichen hast bei Bekannten usw.

    Du musst auch gleich bei der Krankenkasse einen Befreiungsantrag stellen für Medikamentenzuzahlung etc. Hast du schon Antrag auf Behindertenausweis gestellt? Nein? Dann aufs Versorgungsamt und gleich Papiere ausfüllen - ist immer gut.

    Tja, und dann kann ich dir nur aus eigener Erfahrung sagen - Kopf hoch, Schultern gerade und tief durchatmen. Keine Suppe wird so heiss gegessen, wie du sie kochst. Ok?

    Wenn du mehr Infos willst oder dich aussprechen willst, dann mail mich einfach an. Ich stehe dir gerne zur Seite mit Rat und Tat, denn ich war da und weiss, wie alleine und beschissen man sich fühlt. Ich kenne die Schmerzen, die Krankheit und das was das mitsich bringt.

    Lust? Einfach mailen: moorhexe@gofeminin.de / Uschi Ch. aus KA

    Liebe Grüsse

  3. #3
    Werner
    Gast

    Re: Keine Angst - das Leben ist trotzdem schön !

    Hallo Gaby,
    ich kann Dich sehr gut verstehen. Bei mir steht die Rente auch irgendwann an und ich werde mit dem Geld nicht mehr hinkommen.
    Du kannst nichts für die Krankheit und mußt nun damit leben.
    Der Gang auf das Sozialamt sollte Dich nicht schrecken, weil Du nicht betteln gehst, sondern die sozialen Hilfen des Staates oder der Stadt in Anspruch nimmst, für die Du selbst auch einbezahlt hast.
    Gehe ruhig mit erhobenem Haupt dorthin, laß Dich von den Mitarbeitern beraten und nimm alles in Anspruch, was Dir zusteht.
    Mit der Rente, Wohngeld und Sozialhilfe wirst Du es schaffen.

    Natürlich ist es deprimierend, wenn man nicht mehr alles machen kann, aber die Gedanken an den Tod solltest Du ganz schnell über Bord werfen.
    Wenn Du mal zur Ruhe gekommen bist und das alles verarbeitet hast, kannst Du Dich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen. Es gibt auch noch etwas anderes als Arbeit im Leben.
    Wenn Du Deine eigenen Ansprüche und Ziele herunterschraubst, kannst Du jeden Tag ein Erfolgserlebnis haben.
    Besorge Dir auf jeden Fall alle Hilfsmittel, die Du für den Alltag brauchst. Das fängt an mit einer Toilettensitzerhöhung, das Bett höher bauen, Gehhilfen, Verlängerungen und Verdickungen für Werkzeuge, Bestecke usw. und wenns gar nicht geht auch einen Rolli. Du mußt mobil und selbständig bleiben.
    Pfeiff auf das, was andere sagen und mache Dir einen schönen Tag, leg Dir ein Hobby zu und gehe raus in die Sonne.
    Mach alles das, was Dir Spaß macht und freue Dich über jeden Tag, an dem die Vögel pfeifen und Du die Blumen wachsen siehst.

    Vielleicht kannst Du irgendwann mit den Medikamenten doch einen einigermaßen schmerzfreien Weg gehen, oder eventuell wie ich durch eine Ernährungsumstellung (Zusatzstofffrei) etwas erreichen.

    Die Umstellung ist nicht einfach, aber wenn man akzeptiert hat, daß man krank ist und eigentlich kaum noch etwas körperlich bewegen kann, freut man sich über jede zusätzliche Aktivität, die man dann wieder mal geschafft hat.
    Ich selbst bin teilweise auf den Rolli angewiesen. Ich benutze ihn mittlerweile wieder weniger. Alleine die Tatsache, daß ich nicht auf andere angewiesen bin, gibt mir Sicherheit.

    Ich denke, wenn man alles nicht nach alten Maßstäben beurteilt, wird vieles einfacher. Wenn Du magst, kannst Du mir ja mal schreiben, ich bin aus dem Westerwald.

    Nun, Kopf hoch und jetzt erst einmal schön lächeln !!!

    Alles Gute und viele Grüße

    Werner

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  5. #4
    Sandra
    Gast

    Re: Keine Angst - das Leben ist trotzdem schön !

    Hallo an alle,

    hiermit möchte ich einfach mal "DANKE" sagen, an alle die wir uns gegenseitig Mut und Hoffnung machen. Es ist wirklich schön zu wissen, dass man hier im Forum von Betroffenen Hilfe und Unterstützung bekommt. Und solche die etwas bringt.
    Manchmal wenn es mir schlecht geht und ich mit niemandem reden kann oder will, helfen mir schon die Beiträge - die ich dann einfach nur lese.
    Wie gut das Forum ist sieht man ja auch in der vielzahl der Besucher.
    Also nochmals vielen Dank an alle und schmerzfreie, schöne Frühlingstage wünscht euch Sandra

  6. #5
    nati
    Gast

    Re: Keine Angst - das Leben ist trotzdem schön !

    hallo, sandra

    auch bei mir steht demnächst ein antrag auf eu-rente ins haus. irgendwie will ich es immer noch nicht so recht war haben. manchmal denke ich es könnte ja doch noch ein wunder geschehen. bis jetzt leider vergeblich und ich habe auch die absolute panik davor. aber ich weiss, dass man mich hier nach besten wissen und gewissen unterstützen wird und das tut gut.

    alles liebe und verzweifle nicht nati

  7. #6
    Uschi
    Gast

    Re: Keine Angst - das Leben ist trotzdem schön !

    Guten Morgen, liebe Mitchatter.

    Also, Thema RENTE. Als ich 1998 meine EU-Rente erhielt und die Höhe las, rief ich bei der BfA an und fragte, ob ich das jetzt wöchentliche bekäm. Na ja, irgendwie dachte ich, bei der Höhe muss das so sein. IRRTUM.

    Nun, ich habe gelernt, damit auszukommen und habe die ersten 3 Jahre genutzt, wieder auf die Beine zu kommen und gehörte zu den Glücklichen, die dann wieder arbeiten konnten. Allerdings hielt das nur 2 Jahre - die Belastung eines täglichen Trotts hält kein Rheuma wirklich aus und so bin ich jetzt wieder zuhause, kassiere Krankengeld im Moment und freue mich irgendwie doch, daß ich nicht täglich aufstehen muss und mich zwingen muss, fit zu sein, sondern ausschlafen kann, ein Buch lesen, Briefe schreiben (das ist übrigens eine Therapie von mir: einfach einen Brief schreiben und alle Sorgen loswerden, dann wegwerfen) oder in die Sonne sitzen.

    Also, ich hoffe, daß es für jeden von uns besser wird und wir alle unser Dasein geniessen können - mehr oder weniger. Ich wünsche euch allen viel Glück mit den Anträgen, viel Glück mit dem Gesundwerden und vor allen Dingen wünsche ich euch toi toi toi.

    Eure Uschi Ch. aus KA

  8. #7
    Sabinerin
    Gast

    Re: nicht einfach - aber irgendwie auch schön ;-)

    Hallo Gaby,
    tja, viel bleibt mir nicht zu ergänzen. Du hast ganz wundervolle Tipps bekommen, da kann ich nichts hinzufügen.

    Deshalb möchte ich Dir kurz meine Geschichte schreiben und hoffe, daß Du etwas Kraft daraus ziehen kannst.
    Ich bin mit 22 Jahren erkrankt, mit 26 Jahren berentet und bin nun 32 Lenze jung. Die Erkrankung hat mich aus dem Leben gerissen und die Berentung mir den Rest gegeben.
    Ich habe einen tollen Mann, sodaß ich keine finanzielle Not erleide, aber das Gefühl für die Gesellschaft arbeitstechnisch unwichtig ja eher eine Last zu sein, ist hart, sehr hart.

    Ich habe 6 Jahre gebraucht um mich mit diesem Zustand auseinanderzusetzen, ihn zu akzeptieren, keine Wut zu empfinden. Heute bin ich fast so weit zu sagen, daß es mir gut geht. Ich empfinde die cP nicht mehr als Last, es ist Alltag. Ich habe gelernt das Schöne, das Wundervolle, das Positive zu sehen und zu schätzen.

    Es ist nicht immer einfach, aber das Leben kann - trotz Rente - auch schön sein. Ich besinne mich mehr auf die wichtigen Dinge des Lebens und die sind nicht teuer: Freundschaft, Liebe, Zuneigung und Freude.

    Viele Grüsse
    Sabinerin

  9. #8
    Gaby Wiest
    Gast

    Re: nicht einfach - aber irgendwie auch schön ;-)

    Hallo, Ihr Lieben
    ganz, ganz herzlichen Dank für Eure Antworten!! Es ist wirklich
    echt toll, was für hilfsbereite Menschen in diesem Forum zu finden sind, und es tut so gut, zu wisssen,dass man nicht alleine ist mit den Sorgen und Nöten, und dass andere in der gleichen Lage sind.Dafür bin ich Euch allen sehr dankbar.Heute geht es mir auch schon besser. Nur gestern, als der Brief kam, war ich so fertig,weil ich irgendwie insgeheim gehofft hatte, der Antrag wird abgelehnt und ich bekomme durch einen Prozess beim Sozialgericht doch noch eine Umschulung oder wenigstens nur eine zeitlich befristete Rente.Aber heute morgen , als ich wieder mal mit Mühe und Not regelrecht aus dem Bett gekrochen bin, war mir doch bewusst, dass es so besser ist. Auch wenn es mit finanziellen Einbußen verbunden ist.Es geht eben doch nicht mehr so wie es soll.Das kann man nun mal nicht ändern.
    Ich wünsche Euch alles alles Gute und nochmals ganz herzlichen Dank,
    viele liebe Grüße
    Gaby Wiest

  10. #9
    neli
    Gast

    Re: nicht einfach - aber irgendwie auch schön ;-)

    +











































    An alle, die hier geschrieben haben:

    Ich finde es einfach toll, wie Ihr Euch gegenseitig Ratschläge gebt und Hilfe anbietet!!!!!

    Ich wünsche Euch allen ein glückliches Wochenende

    Neli

  11. #10
    Tanja
    Gast

    Re: nicht einfach - aber irgendwie auch schön ;-)

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    Hallo Gaby,

    Du solltest auf jeden Fall zum örtlichen sozialamt gehen. Ich arbeite selbst im Sozialamt und bin der meinung, dass jeder, der einen Anspruch auf Sozialhilfe hat, ihn auch durchsetzen sollte.

    Lass Dir im örlichen Sozialamt einen Beratungstermin geben, so kannst Du im Vorfeld schon mal grob abklären ob ein Anspruch auf Sozialhilfe bestehen könnte. Das war Uschi geschrieben hat ist soweit richtig. Was jedoch Sparguthaben und Versicherungen bestrifft, so können einige Versicherungen einkommensmindernd bersücksichtigt werden (Hausrat- und Haftpflicht). Beim Vermögen gibt es Freigrenzen von ca. 1250 Euro. Alles andere muß zunächst zur Deckung des Lebensunterhalts eingesetzt werden bzw. die Sozialhilfe wird bis zur Verwertung des Vermögens als Darlehen gewährt.

    Das Verschweigen einer Lebensversicherung, Auto oder sonstigem Vermögen kann ich nicht empfehlen, das stellt nämlich den Sraftatbestand des Betruges dar.

    Falls Du detaillierte Fragen zur Sozialhilfe hast, können wir das gerne per PM schreiben.

    Liebe Grüße Tanja

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