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AndySan

Eine kleine Geschichte, nicht erfunden - entspricht meinen Erfahrungen

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Ich weiß zwar nicht, ob es jemand interessiert, aber ich schreibs einfach mal, vielleicht hilft es ja gegen den Frust:

Beim Arzt:
Morgen ist es endlich wieder soweit, ich habe meinen monatlichen Termin zur Infusion und Kontrollbesprechung, endlich jemand, der mir zuhört, sich meinen Schmerzen annimmt und mir hilft. Ich habe alle vorbereitet, meine Schmerzkurve vom letzten Monat, die Übersicht für das tägliche Blutdruckmessen, die Überweisung, das Medikament… Nochmal alles checken – ja es ist alles da! Was muss ich meine Ärztin alles fragen, was brennt mir auf der Seele, hoffentlich vergesse ich nichts… Ist der manchmal auftretende Schwindel und die Übelkeit normal, ist es normal, dass ich ständig müde bin, woher kommen die Knötchen und Rötungen am Ellenbogen. Ich habe mind. 2-3 die Woche Bauchschmerzen und Durchfall, ich habe am Abend oft Schluckbeschwerden und das Gefühl, mein Hals schnürt sich zu. Wann fängt das neue Medikament endlich an zu wirken, das ist jetzt die 6. Infusion und ich habe den Eindruck, dass es Garnichts bringt, weil mir nur Schmerzmittel und das Kortison merklich Linderung bringen. Wenn die Schmerzen mal wieder unerträglich sind, was soll ich dann tun, vorbeikommen ohne Termin, anrufen, es einfach aushalten? Na Hoffentlich kann ich mir das alles merken.

Dann ist es soweit, ich komme pünktlich 5 Minuten vor 10 zur Anmeldung, um 10 hab ich den Termin, da höre ich von der völlig genervten Arzthelferin auch schon den Standardsatz: „setzen Sie sich noch etwas ins Wartezimmer, wir sind heute überlastet“ Dort sitzen dann schon einige andere Patienten, die meisten mit einer Begleitperson und sind am Tuscheln: „Immer das gleiche hier“ „Unverschämtheit ich sitze schon über eine Stunde“ „Wozu machen die hier Termine aus“. Also setzte ich mich nach einem freundlichen „Guten Morgen“ erst mal hin, nehme mir einen Kaffee (falls nicht wieder vergessen wurde aufzufüllen) und warte… Dann wird endlich mein Name aufgerufen, ich darf antreten zum Kanüle setzen und bekomme Blut genommen. Dann wieder ab ins Wartezimmer und warten… Mir kommt es wie eine halbe Ewigkeit vor, bis ich dann endlich ins Infusionzimmer gerufen werde, dort auf den Stuhl gebeten werden und dann wieder warten muss, bis der Arzt kommt. Die Infusion wird angeschlossen und dabei macht der Arzt seine Anamnese, er fragt wie es mir geht, misst Temperatur und Blutdruck und stellt noch 2-3 weiter Standardfragen, ohne dabei mind. 3x zu erwähnen, dass er unter Zeitdruck steht und bevor ich überhaupt was sagen kann, bekomm ich auch schon die Antwort: „gut, dann machen wir erst mal mit der Infusion weiter und sehen uns in 4 Wochen wieder“. Während der gesamten Prozedur hat natürlich mind. 3x das Funktelefon geklingelt, weil andere Patienten telefonisch etwas wissen wollten und der Arzt ist dann schneller wieder verschwunden, wie ich überhaupt zu nem Satz ansetzen konnte…
  • Meine Fragen zu meinen Ängsten und Nöten – Fehlanzeige.
  • Ein freundliches Wort oder Anteilnahme – Gleich null.
Wer kennt das, wem geht das auch so und wer fühlt sich noch im Stich gelassen und extrem verarscht? Das war jetzt nur das Beispiel Arzt, aber genau die gleiche Vorgehensweise kennt man von Behörden, Ämtern, Krankenkassen, wenn man als kranker Mensch etwas möchte, das einem zusteht… Nie Zeit, Termine mit extrem langen Wartezeiten und dann meist nur sinnlose Ergebnisse, die nur ein Ziel haben, dem Träger Geld zu ersparen.

Die Möglichkeiten, wie man dem kranken Menschen was streichen und einsparen kann, die wissen alle aus dem FF, aber wie sie dir helfen können und was dir alles zusteht, das müssen sie erst beim Chef erfragen und können es erst nach Formular Z23 mit A96 und Abschrift 231 mit Anlage 13 beantworten… Und ob es dann genehmigt wird, ja das steht in den Sternen…
Stichworte: frust
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Kommentare

  1. Avatar von autschi
    High AndySan,
    genauso und noch härter kenne ich das auch. Mit härter meine ich, als es nicht um nich ging, sondern um meinen Erstgeborenen Sohn. Er war unter zwei Jahre, als er schwer krank wurde. Mir dreieinhalb war er schwerbehindert. Dagegen angehen wird von Behörden und Schutzstellen nicht unterstützt. Lieber erklärte man mich dort für hysterisch und jemanden, der nur einen Schuldigen braucht. Auch ich wäre nicht schon seit 12 Jahren erwerbsunfähig, wenn ich ernst- und wahrgenommen worden wäre.
    Viel Humor, aber auch mal über den Tellerrand schauen, helfen mir, damit zu leben.
    Liebe Grüße, lass Dich nicht entmutigen!

    autschi

    P.S.: Dem Arzt, wenn er von Zeitnot spricht, ruhig mal drauf hinweisen, dass er die nun für Dich aber braucht, und soll er Dir sagen, wann Du bei ihm besser dran bist. Die sind doch auch nur Menschen und raffen vlcht. vor Überforderung nicht, was sie da tun! Nach Telefonsprechstunde fragen!
  2. Avatar von Kath_69
    ich glaube das kennen einige von uns.Leider.
    Sei nur nicht zu sehr krank.Und stelle ja keine Fragen.Denn es sind ja pro Patient nur 10 min. vorgesehen....und wenn der Dok nicht weis, warum die Cortisontherapie nicht anschlägt nach 5 Tagen, bekam ich zu hören, sie würde mich doch gerne abgeben....na juchu die baut mich echt voll gut auf ;
    als hätte man nicht genug Sorgen....

    viele Grüsse Kathrin
  3. Avatar von AndySan
    Ja, das mit dem abgeben kenne ich nur zu gut... Kaum hatte ein neuer Rheumatologe in meiner Stadt aufgemacht und ich dachte endlich brauchste nimmer ewig weit fahren, wars auch schon wider vorbei. Nach der 2. Sprechstunde hat er mich gleich an einen andere Kollegen nach Heidelberg verwießen, da wäre ich besser aufgehoben und Biologicals würde ja eh sein Budget sprengen...

    Sind doch alles die gleichen Halunken, das Geld für die Bio´s wird denen nur zu einem Bruchteil oder sogar garnicht (wegen chronischer Erkrankung) angerechnet...

    Aber im Wartezimmer das rießen Plakat, dass er für meine Untersuchung pro Quartal nur ein gutes Mittagessen bezahlt bekommt blabla...

    Naja, ich befürchte aber fast, dass wir gerade am Anfang stehen und es noch schlimmer wird... Bei den vielen "Gästen" in unserem Land, die ja versorgt werden müssen und noch nie was einbezahlt haben, werden die Kassen immer leerer und wir müssen darunter leiden...

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