Wirksamkeit von Anakinra (Kineret)

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Anakinra wurde in mehreren randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten klinischen Studien mit insgesamt fast 3.000 Patienten mit chronischer Polyarthritis (rheumatoider Arthritis) geprüft. Die entsprechenden Studien sind in dem Unterpunkt klinische Studien zu Anakinra (Kineret) detailliert dargestellt.

In allen Studien war Anakinra der Therapie mit Placebo überlegen. In der Kombination mit Methotrexat (Mtx) zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome und Befunde der chronischen Polyarthritis auch bei Patienten, die vorher auf eine alleinige Therapie mit Mtx nicht ausreichend angesprochen hatten.

In der Monotherapie mit Kineret, d.h. bei der alleinigen Behandlung mit Anakinra ohne Kombinationspartner, erreichten allerdings nur 43% (gegenüber 23% unter Placebo) der mit Kineret behandelten Patienten nach sechs Monaten der Behandlung eine Verbesserung ihres sogenannten ACR-20-Wertes (die ACR-Kriterien sind in Rheuma von A-Z genau erklärt; kurz zusammengefasst bedeutet ACR-20 eine mindestens 20%ige Verbesserung bei einer Reihe von entscheidenden Symptomen und Befunden der rheumatoden Arthritis, z.B. Gelenkschmerz, Gelenkschwellung, Schmerz oder Entzündungswerte im Blut). Im Verhältnis ausgeprägter sind die Effekte auf dem wesentlich schwieriger zu erreichenden ACR-50 Niveau mit einer Ansprechrate 24% für Anakinra gegenüber 4% bei Placebo und der recht guten ACR-70-Response von immerhin 10% unter Kineret gegenüber 0% bei den mit Placebo behandelten Patienten.

Die klinische Wirksamkeit der Monotherapie mit Kineret liegt damit zwar im Bereich von anderen langwirksamen Monotherapien, aber deutlich unter der Ansprechrate der TNF-Blocker und tendenziell sogar selbst unterhalb der Ansprechrate von Methotrexat. Diese Bewertung unterliegt allerdings der Einschränkung, dass es aus methodischen Gründen nicht zulässig ist, die Wirksamkeit von Präparaten miteinander zu vergleichen, wenn sie nicht in einer speziellen Studie "Kopf an Kopf" unmittelbar gegeneinander geprüft wurden. Dies gilt für die Monotherapie-Studie mit Kineret umso mehr, als in ihr Patienten mit einer im Durchschnitt relativ langen Krankheitsdauer behandelt wurden und damit größere Therapieeffekte schon aus diesem Grund eher nicht zu erwarten waren. So ist es auch aus anderen Studien bekannt, dass erfahrungsgemäß langwirksame antirheumatische Therapien in der Spätphase einer chronischen Polyarthritis nicht so ausgeprägte Effekte zeigen wie bei Patienten, die zu Beginn der Erkrankung behandelt werden.

Dennoch kann man aus dem Vergleich von Ergebnissen aus klinischen Studien mit vergleichbaren Zielkriterien wie beispielsweise der ACR-20-, ACR-50- oder ACR-70-Response schon einen Eindruck über die Stärken und Schwächen von unterschiedlichen langwirksamen antirheumatischen Substanzen gewinnen. Der Eindruck aus diesen Studien geht für Kineret dahin, dass die Substanz ihre primäre Stärke vermutlich nicht in einer überragenden Wirkung auf die systemische Krankheitsaktivität hat, sondern eher bei der Kontrolle der lokalen Effekte der Entzündung, insbesondere der Verhinderung von entzündlich bedingten Schäden an Knorpel und Knochen. Diese Interpretation passt auch gut zu den Vorstellungen zum oben ausführlich dargestellten Wirkmechanismus von Anakinra.

So belegen die ersten Daten zur sogenannten Röntgenprogression übereinstimmend mit den auch theoretisch zu erwartenden Ergebnissen die sehr gute Wirksamkeit von Kineret im Hinblick auf die rheumatische Gelenkdestruktion. Hier lässt sich bereits in der Monotherapiestudie unter der alleinigen Behandlung mit Kineret zeigen, dass es bei einem Teil der Patienten zu einem völligen Stillstand der Erkrankung kommt. Allerdings sind die bisherigen Studien mit röntgenologischen Daten zu Kineret in ihrer Aussage noch eingeschränkt, da die Beobachtungsdauer im Hinblick auf die Röntgenprogression mit 6 Monaten und 12 Monaten relativ kurz ist.

Weiterhin führt die Therapie mit Kineret zu einer ganz erheblichen Besserung der funktionellen Kapazität. So zeigte sich bereits nach zwei bis vier Wochen eine dosisabhängige Verbesserung der Messwerte im Health Assessment Questionaire (HAQ), mit dem anhand von acht Fragebereichen die Aktivitäten des täglichen Lebens bewertet werden und aus dem dann der sogenannte HAQ-Disability-Score (HAQ-DI) errechnet wird. Die positiven Auswirkungen auf die Funktionskapazität ließen sich in der Kombination mit Methotrexat noch deutlich steigern. So erreichten die Verbesserungen im HAQ in der Kombinationsstudie median bis zu 60 % gegenüber dem Ausgangswert und sind mit den Ergebnissen von TNF-Blockern vergleichbar.

Insgesamt deuten die Daten aus den klinischen Studien darauf hin, dass Anakinra vorzugsweise in der Kombinationstherapie eingesetzt werden sollte.

Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Stand: 21.11.2006

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